Umweltfreundliche Energien

SPIEGEL ONLINE vom 07.10.2009:

Krematorium will Strom aus Einäscherung nutzen

Alternative Energie mal anders: Ein Krematorium in Taiwan will die Elekrizität, die bei der Verbrennung von Leichen entsteht, für seine Klimaanlage nutzen.

Dazu fällt mir nichts ein.

Koran und Ehrenmord

Auf SPIEGEL ONLINE, wenngleich „mit Material von dpa„, wieder einmal eine großartige Bemerkung:

Der Koran als Rechtfertigung für Ehrenmorde? Experten weisen das natürlich zurück. „Im Koran wird nicht die Todesstrafe, sondern es werden hundert Peitschenhiebe für den Ehebruch gefordert. Allerdings hat darüber nach der Vorstellung muslimischer Rechtsgelehrter ein Gericht zu entscheiden und nicht der Ehemann oder ein Verwandter“, erklärt Johanna Pink, Islamwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin.

Und ich hatte schon beinah gedacht, der Koran wäre irgendwie INHUMAN!

Frei sein = Gärtnern? (Nr. 3)

Unter dem Titel Neue Gartenhäuser: Laube 2.0 schreibt das Manager-Magazin über Architekten, die jetzt auch Schrebergartenlauben kreieren:

Etwa 30 Lauben, die zwischen 12.000 und 25.000 Euro kosten, haben die Architekten Schönert und Grau mittlerweile bauen lassen. Allein die Hälfte steht in Berlin. Abnehmer seien meist junge Familien. „Für sie ist die Gartenlaube ein Zufluchtsort in der Stadt. Ein grünes Fleckchen Sehnsucht“, sagt Architekt Schönert.

Diese Entwicklung sieht auch Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. „Seit etwa vier Jahren gibt es eine Renaissance der Kleingartenanlagen“, berichtet er.

Zwar liege der Altersdurchschnitt in deutschen Kleingartenanlagen immer noch bei 60 Jahren. 45 Prozent aller Neuverpachtungen der vergangenen fünf Jahre seien allerdings an junge Familien mit Kindern, an die „jungen Urbanen“, gegangen. „Sie leben in einer schicken Stadtwohnung. Das grüne Wohnzimmer pachten sie sich dazu.“

Und ich habe den Trend gleich von Anfang an diagnostiziert! Das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas schon vorher wusste. – Anders als das Manager-Magazin berichtet Spiegel, ‘zeihung, SPIEGEL WISSEN natürlich über die gesellschftskritischen, ja subversiven Aspekte des neuen gärtnerischen Tatendrangs, der sich in der Republik breitmacht – unter dem Titel Bündnis für die Blume:

Stadtromantik – so muss sie aussehen: Julia Jahnke steht auf einer Wiese, umgeben von hohen Häusern, sie trägt ein Kleid über einer Hose, darüber eine Trainingsjacke, sie hat ihre roten Haare locker zusammengebunden, eine Strähne fällt über die Schulter. Sie bückt sich, pflückt Kräuter. Doch für Julia Jahnke hat das, was sie da gerade tut, nichts mit Anmut und Mädchencharme zu tun, sondern mit Politik und Protest.

Jahnke, 35, Gartenbauwissenschaftlerin und zurzeit Yogalehrerin, gehört zu einer besonderen Stadtguerilla – den „Gartenpiraten“. Das sind Menschen aus allen möglichen Berufen und Studiengängen, die in ihrer Freizeit losziehen mit Eimern, Schaufeln und Gießkannen, um öffentliche Flächen zu begrünen: Erdansammlungen um Bäume herum, Verkehrsinseln, brache Böden in den großen Lücken, die manchmal zwischen den Häusern klaffen.

Die Gartenpiraten wollen die Städte grüner und schöner machen und damit ein Bekenntnis ablegen gegen die „Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums“, so jedenfalls drückt sich Jahnke aus, während sie über den Rasen in Berlin-Friedrichshain läuft. [...] Es sei an der Zeit, „Systemdiskussionen über eine gerechtere Gesellschaft“ zu führen: „Nur weil wir kein Geld haben, heißt das noch lange nicht, dass wir all das nicht haben dürfen“, sagt sie und zeigt mit ausholender Geste auf die Blumen und Kräuter um sie herum.

Ansichten wie diese werden im Spiegel dann als „theoretisch“ bezeichnet. Unter dem Banner dieser grünen Theorie formieren sich dann gesamtgesellschaftliche Allianzen, ja eine Grüne Einheitsfront.

Das Bündnis steht, auch zwischen den Friedrichshainer Gartenpiraten und den Dahlemer Luxusgärtnern. Angesprochen auf Julia Jahnke und ihre grüne Guerillatruppe sagt Pape überschwänglich: „Denen habe ich versprochen, eine Samenmischung für eine Saatbombe zu mixen.“

Saatbomben bestehen aus Samen, Mutterboden und Tonpulver, sie werden von Gartenpiraten irgendwo in den Städten auf freie Flächen geworfen. Dann hoffen sie auf Regen, eine prachtvolle Blüte und eine bessere Welt.

Wie gesagt – hier rollt eine Welle des Terrors und der Revolutionen auf uns zu. Wir wollen hoffen, dass sie sich am entschlossenen Widerstand der Zivilgesellschaft bricht. Aber die sitzt ja gerade in den Lauben…

Geständnisse einer gefährdeten Kapitalistin

In der heutigen Ausgabe von Spiegel, Verzeihung, SPIEGEL ONLINE ein großartiger Text über die gegenwärtige Befindlichkeit von Frau Schickedanz. Großartig, offenbarend. Allein der Titel!

Quelle-Erbin Schickedanz fürchtet sich vor Armut

Schadenfreude wäre hier unangebracht. Der Kapitalismus ist nicht der Große Gleichmacher – wie auch der Tod nicht. „Ins Jenseits können die auch nicht mehr mitnehmen als unsereins!“ Mag sein, aber im Diesseits hatten sie mehr. Allerdings: Schadenfreude empfinde ich dennoch. Moralisch vollkommen bin ja auch ich nicht. Jedenfalls gesteht Frau Schickedenz in einem Interview – und ich zitiere hier nur die aufschlussreichsten Sätze:

„Wir leben von 600 Euro im Monat.“ [...] Sie wisse, dass sie eine Mitverantwortung für das Schicksal der Arcandor-Mitarbeiter habe, könne ihnen aber nicht helfen. [...] Offen räumte sie ein, dass ihr ihre Kinder Vorwürfe wegen des verloren gegangenen Erbes machten: „Meine Kinder glauben, ich hätte mich zu wenig um den Konzern gekümmert.“

Eine aufschlussreiche Miniatur der gegenwärtigen Befindlichkeit von Kapitalisten. Gratuliere, SPIEGEL!

Von und Zus Grinsen

Zu Herrn von Guttenberg fällt mir nichts ein. Abgesehen von einer Einsicht, die mich heute morgen in blendender Klarheit überkam:

Karl-Theodor von und zu Guttenbergs Lächeln ist das Grinsen der Kapitalisten, die noch einmal davongekommen sind und ihre Finanzierungsprobleme bei den unteren Schichten in sicheren Händen wissen.

Frei sein = Gärtnern? (Nr. 2)

Viele werden sich noch an meinen ersten Text zur neu-biedermeierlichen Wertschätzung des Gärtnerns in unseren Tagen erinnern. Hier eine neue Entwicklung dieser reaktionären Tendenz: ein Interview auf Spiegel- Verzeihung, SPIEGEL-Online mit der indischen Umweltaktivistin Vandana Shiva unter dem Titel „Kritik am Konsumwahn: ‘Die Bestohlenen werden sich erheben’“, vom 24.05.09. Auszug:

[...] SPIEGEL ONLINE: Die Krise als – letzte – Chance?

Shiva: Genau, aber Regierungen und Unternehmen sind zu schwerfällig, um Alternativen zu entwickeln. Es ist wie bei einer schweren Maschine, die einmal in Gang ist. Es sind die einfachen Bürger, die andere Ideen haben und sich für diese einsetzen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie könnte das Engagement der Bürger aussehen?

Shiva: Gärtnern kann die Welt retten. Wir sind an einem Punkt, an dem Gartenarbeit viel ändern kann – materiell, emotional und politisch. Jeder sollte gärtnern. Für die Menschen, die keinen Platz haben, müssten die Gemeinden dafür öffentlichen Raum schaffen – statt neuer Parkplätze. Im Krieg wurden hier in Deutschland auch an den Rändern der Städte große Gärten angelegt, damit sich die Menschen ernähren konnten. [...]

Dies lässt Schlimmes befürchten für den Fall, dass sich die durch den Westen Bestohlenen erheben. Die Definition des Menschen wird sich dann ändern in „Der Mensch ist das gärtnernde Tier“; in diesem Sinn werden die Städte dann aufgelöst, die ‘örtliche Landwirtschaft’ (ebd.) wird gestärkt, die Menschen zum Gärtnern gezwungen usw. Und die Oberen werden über diese Agrarfantasie herrschen frei nach dem Motto: ‘Ihr sollt Menschengärtner sein!’

CDU, mit Freud gelesen

Abgründe tun sich auch im Umfeld von Kommunalwahlen auf. So auf dem Plakat des CDU-Kreisverbands der schönen Stadt Freiburg. Es zeigt Mutter und Sohn beim Essen jeweils einer Eistüte; im Hintergrund erkennt man eine schlanke Säule, die stramm und aufrecht in den Himmel ragt. Unter dem kleinen Ödipus und seiner Mama steht dann noch der Slogan:

GUT FÜR DEN KLEINEN MANN – DER CDU-MASTERPLAN

Da sieht man, wie die Medien unsere Kinder manipulieren und zum Vatermord programmieren. Und die CDU macht mit.

Besserverdiener essen anders

Ich stand vor dem Kühlregal mit den Gnocchi. „Für Besserverdiener“ stand auf den Gnocchi-Packungen einer bestimmten Firma. Ich sah noch einmal hin: „Für Besseresser“. So weit sind wir schon, dachte ich. Aber wenigstens konnte ich mir die Packung leisten.

„Remember me? From bar“

In meinem Spam-Ordner lag eine E-Mail mit dem Titel „Remember me? From bar“. Merkwürdig – in der letzten Zeit war ich überhaupt nicht in einer Bar gewesen. Merkwürdiger noch der Absender: Dem Mailprogramm zufolge kam sie von „me“. Ich scheine, so dachte ich mir, ein befremdliches Doppelleben zu führen – treibe mich in Bars herum, ohne mich hinterher daran zu erinnern, und flirte dort heftig, allerdings nur mit mir selbst. Vielleicht hatte ich mich ja wirklich prächtig mit mir amüsiert und mich dabei so volllaufen lassen, dass ich mich an nichts mehr erinnerte. „Wer weiß“, dachte ich, „was da noch so alles passiert ist. Vielleicht hast du dich am Ende noch von irgendeinem dahergelaufenen ich abschleppen lassen.“ Ein schreckliches Bild drängte sich mir auf. Ich sah mich selbst und wie ich mir im Zustand der Volltrunkenheit zuraune: „Na komm schon, du willst es doch auch… Gehen wir zu mir oder zu mir?“

Ich musste mich dann auch ziemlich beeindruckt haben, immerhin wollte ich offenbar den Kontakt halten, siehe die E-Mail. Andererseits – ich für meinen Teil konnte mich einfach nicht an die Nacht mit mir erinnern. So großartig war es wohl doch nicht gewesen. Sollte ich die Mail öffnen? Nur die erste Zeile war zu lesen: „If you can’t read this, click here.“ Es konnte auch eine Falle sein. Wo würde ich landen, wenn ich auf here klickte? Hatte ich mich verärgert, beleidigt, gedemütigt gar, und rächte ich mich nun?

Bis heute bin ich mir über all das nicht im Klaren. Ich habe die Mail lieber gelöscht, aus Sicherheitsgründen; aber doch auch in dem Gefühl, dass ich unwiederbringlich an eine jener dunklen und dämonischen Regionen unserer Existenz gerührt hatte, die nur selten in das alltägliche Dasein einbrechen und die vielleicht wirklich besser mit Stillschweigen bedacht werden.

Zu fein für Technik?

Für meinen Hinweis auf die Tatsache, dass die Technik dem Menschen zu dienen hat und nicht umgekehrt, habe ich ordentlich einstecken müssen (zu fein für Technik?). Ich habe mich damit als Humanist bekannt, und dafür muss man heute einen Preis bezahlen.

Hier ein kleines Geheimnis: Mein Allheilmittel gegen solche Einwände ist die Figur der Veränderung – man könnte sie auch Utopie nennen. Und das geht so:

Vielleicht stimmt das – heute muss man sich zum Instrument der Technik machen, um Technik als Instrument nutzen zu können. Aber ist das eine anthropologische oder gar ontologische Konstante? Mir kommt es eher so vor, als wäre damit der gegenwärtige Stand benannt, sowohl von Technik als auch von Gesellschaft. Vielleicht war das auch schon immer so in der bisherigen Geschichte. Aber das lässt noch nicht den Schluss zu, dass es immer so sein muss. Ich denke, wenn es wirklich so ist, dann sollte es sich ändern, wir sollten es ändern.

Außerdem würde ich nicht sagen, dass ich mir zu fein bin für die Technik. Im Gegenteil, die Technik ist sich im Augenblick zu fein für ihre Rolle als bloßes Instrument.

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